- Diese Veranstaltung hat bereits stattgefunden.
PERIPHERES BRIAN CURLING
Juni 16 @ 17:00 - 20:00

Brian Curling (geb. 1976 in Cadiz, Kentucky, USA) ist ein Künstler, dessen Arbeiten ein breites Spektrum an Drucktechniken, Installationen und Zeichnungen umfassen. Seine Werke erforschen die fließende und sich ständig weiterentwickelnde Natur der Identität, die durch Zeit, Ort und persönliche Erfahrungen geformt wird. Derzeit lebt und arbeitet er in Dresden, Deutschland.

Brian Curling lässt uns an der Erfahrung eines schwebenden Zustandes teilhaben, für den er in wechselnden Anordnungen von grafischen Fragmenten seine schlüssige Form gefunden hat und mit dieser weiter experimentiert. Der „schwebende Zustand“ ist hierbei kein losgelöster, der sich nicht genauer fassen ließe, sondern beschreibt eine konzentriertere Form der Wahrnehmung im Sinne des Heraustretens aus der gerade gelebten Lebenssituation. Nicht, um diese zu ver-lassen, sondern um im Gegenteil, sich in sie ganz und gar ein-zu-lassen. Das Einlassen wird hier als eine Form des Bewusstseins verstanden, das ein Zuvor und Danach, ein Woher und Wohin, ein Warum und Wofür gleichermaßen in die Wahrnehmung aufzunehmen versucht. Der schwebene Zustand ist somit eine permanente Balance-Übung mit geistigen, emotionalen und physischen Elementen, die in wechselndem Einfluss zueinander stehen.
Das einzelne Fragment dabei dechiffrieren zu wollen, benötigt eine vorherige Annäherung. Ein solcherart behutsames Erfassen könnte derart beginnen, dass man – wie beim Hören eines Gedichtes – zunächst den Gesamtklang in sich aufnimmt und den Blick entscheiden lässt, welche Bewegung er nimmt und welche assoziativen Klangräume sich einem selbst dabei eröffnen. Die poetischen Schwingungen in den Bildern von Brian Curling in ihrer Fragilität, ihrer Vielfalt und Intensität zu erfassen, lässt uns vielleicht am unmittelbarsten an seiner Arbeitsweise teilhaben. Will man sich auf einen Prozess des Verstehens einlassen, benötigt dies einen genaueren Blick auf die Abstraktionen der Fragmente und auf ihre Anordnung.
Susann Hoch 2020